Beitrag von Fridays for Future Dresden zum Kulturentwicklungsplan

Die Stadtverwaltung gibt dem, größten Teils stehenden, Kulturentwicklungsplan gerade den letzten Schliff. Wir haben unsere Ideen und Anregungen, wie man Kultur und Nachhaltigkeit miteinander verbinden kann, bei einem Beteiligungsprozess eingebracht. Diese Ideen könnt ihr hier lesen.

Aber vorher: Was ist der überhaupt dieser Kulturentwicklungsplan?

„Der Kulturentwicklungsplan (KEP) der Landeshauptstadt Dresden formuliert wichtige Ziele und Perspektiven für die Dresdner Kultur. Der aktuelle Kulturentwicklungsplan wurde 2008 vom Dresdner Stadtrat beschlossen. Das Amt für Kultur und Denkmalschutz legt jetzt eine Neufassung vor. Darin werden Perspektiven für die Dresdner Kulturlandschaft formuliert und Strategien entwickelt, um die Herausforderungen des Gesellschaftswandels in einer wachsenden Stadt wie Dresden zielgenau anzugehen.“

Mehr dazu auf der Website der Bürgerbeteiligung zum KEP, auf der ihr hier noch bis zum 31.05. auch eure Gedanken mit einbringen könnt 🙂

Es geht im KEP also nicht nur um die inhaltliche Ausrichtung von Museen und Co, sondern auch um die Frage: „Wie wollen wir leben“ und genau damit beschäftigen wir uns jetzt.

Was verstehen wir eigentlich unter Kultur?

Kunst, Musik, Theater. All das gehört zur Kultur. Aber ebenso zur Kultur gehören Fußball, Grillabende und mit dem Auto zur Arbeit fahren. Kultur ist eben nicht nur künstlerisches, es ist auch die Art und Weise wie wir Leben.

Wir von Fridays for Future meinen: Wir müssen einen Teil unserer Lebensweise ändern – Also auch einen Teil unserer Kultur.

Dabei wollen wir nicht respektlos sein, und alle Errungenschaften oder kulturellen Elemente über den Haufen werfen. Wir wollen aber den Diskurs anstoßen über eine Weiterentwicklung der jetzigen Kultur, hin zu einer Kultur – des Miteinanders, der Lebensqualität, der Solidarität, der Generationengerechtigkeit, der ressourcenschonenden Lebensweise, der Mäßigkeit.

Es gehört zu unserer Kultur viel zu arbeiten, um dann viele Produkte zu kaufen, die uns nur bedingt glücklicher machen und als wäre all das nicht genug, tragen wir mit dieser Lebensweise zum immensen Ressourcenverbrauch und zum Einheizen der Klimakrise bei.

Also – ist das wirklich die Kultur die wir uns für unsere Gesellschaft wünschen? Oder sind wir nur gefangene unserer eigenen Kultur?

Fühlen wir uns wirklich noch wohl in den Städten? In denen nahezu alle Seitenstreifen zugeparkt sind, anstatt dort Platz für Stühle und Tische der Cafe´s oder für Bäume und Beete zu lassen.

Fühlen wir uns wirklich wohl dabei, dass wir scheinbar sozial isoliert sind von unseren Nachbarn, keinen Bezug haben zur Nachbarschaft und es keine Gemeinschaft gibt, in der wir aktiv werden können oder wollen?

Jeder wird wohl ein anderes Verständnis davon haben, was die beste Kultur wäre. Wir wollen hier auch definitiv keine absoluten Antworten geben. Aber wir sind von folgendem überzeugt:

Wir sollten gemeinsam eine Kultur schaffen, in der sich Menschen wieder mehr selbstorganisieren, um lokale Ressourcen-Kreislaufe, lokale Wertschöpfung, zu generieren. Das macht die Stadt widerstandfähiger gegenüber Krisen und hilft kleine nachhaltige Systeme aufzubauen, welche wiederum die Grundlage für die Klimawende von unten bilden.

Doch was braucht es damit das geschieht? Wir haben versucht diese Frage bei unserer Beteiligung am Kulturentwicklungsplan zu beantworten. Es geht im Grunde darum, welche Infrastrukturellen Maßnahmen getroffen werden müssen, damit eine ressourcenschonende Selbstorganisation stattfinden kann. Eine mögliche Lösung unserer Meinung nach: Lebendige Stadtteilzentren mit offenen Projekträumen, Werkstätten, Gärten, Tauschräumen, Lagerräumen und Gemeinschaftsküchen.

Hier unsere genaue Antwort an das Amt für Kultur- und Denkmalschutz:

Kulturelle Bildung

Ziel: Stadtkulturgesellschaft gestalten – Kulturelle Bildung verbindet

Kulturelle Bildung heißt für uns auch: Demokratieverständnis fördern. Wir von Fridays for Future haben im letzten Jahr wohl mehr über Demokratie gelernt, als in unserer ganzen Schulzeit…

Etwas weiter unten stellen wir unsere Idee für ein Stadtteilzentrum vor. Dieses beinhaltet u.a. „Projekträume“. Damit meinen wir Räume mit Flipcharts, Beamer etc. die sich eine Projektgruppe für 1 Tag – 1 Jahr ausleihen kann. Im Prinzip einen durch die Stadt geförderten Co-Working-Space. Man könnte es z.B. an die Bedingung knüpfen, dass es sich um Stadtteil-bezogene-Projekte handelt.

Wir halten es in dem Kontext für interessant die Frage zu stellen: „Was wäre wenn in so einem Fall der Stadtbezirksbeirat im selben Gebäude sein Büro hat, und die gewählten Beiräte regelmäßig an den Projekträumen der aktiven Bürger vorbei laufen“

Es könnte zum spontanen Austausch auf dem Flur kommen, bis hin dass der Ortsbeiratsvertreter sich plötzlich selber im Projektraum wiederfindet und ein Projekt mit maximaler politischer Unterstützung zum Erfolg geführt wird.

Die Ergebnisse aller Projekte werden dann einmal im Quartal bei der großen Stadteil-Bürgerversammlung im großen Versammlungssaal des Stadtteilzentrums vorgestellt. Gemeinsam werden Erfolge gefeiert und wertgeschätzt…(Besonders wertgeschätzt wird dabei wohl unsere Demokratie)

Soziokultur

Ziel: Soziokulturzentren als Plattformen zur Selbstorganisation bürgerschaftlichen Engagements

Kurz: Bei zukünftigen Stadtteilzentrum sollten offene Werkstätten sowie Projekträume mitgedacht werden!

Zitat aus dem Kulturentwicklungsplan:

ab S.77: „Heimat und eine Art Heimatgefühl entstehen durch ein Leben und Handeln über längere Zeiträume hinweg in überschaubaren, vertrauten Räumen. Damit geht die Chance einher, auf die Gestaltung des Heimatortes selbst ein-und im sozialen Gefüge des Ortes und der Region mitwirken zu können. Sozio-und Stadtteilkulturzentren können zweifellos Raum für ein Mittun in diesem Sinne geben.“

In diesem Sinne werden die etablierten SKZ künftig eine noch wichtigere Rolle als Plattformen für die Selbstorganisation bürgerschaftlichen Engagements, die Projektarbeit und für künstlerisch-kulturelle Vorhaben mit Stadt(teil)bezug und somit für die soziale und kulturelle Teilhabe vor Ort spielen.“

Der Überzeugung sind wir ebenfalls und möchten im folgendem einen genauen konkreten Vorschlag vorstellen, wie bürgerliche Selbstorganisation und Nachhaltigkeit verbunden werden können.

Wir brauchen Stadtteilzentren mit freien und offenen Werkstätten (Besonders Elektro- und Nähwerkstätte). Wir wollen z.B. mit Jugendlichen regelmäßig zusammen Technik und Kleidung reparieren…

Wir wünschen uns Stadtteilzentren mit offenen Projekträumen (zum gemeinsamen Projekte planen) sowie Werkstätten und wenn möglich Gemeinschaftsküchen sowie einen Garten. So können verschiedenste Leute innerhalb eines Stadtteils zusammenkommen und praktische Kulturarbeit leisten.

Viele Menschen wünschen sich genau so etwas. Technik Reparaturen, Kleidertausch, und Gemeinschaftsgärten sind oft sehr dezentral was zwar auch Vorteile hat, aber auch dazu führt, dass das Potential dieser Kultur sich nicht frei entfalten kann. Der Zugang ist einfach verwehrt.

Durch Stadtteilzentren mit offenen Werkstätten wäre der Zugang viel offener, Workshops und regelmäßige offene Treffen könnten einfacher durchgeführt werden.

Zusätzlich wäre es möglich Lagerräume zur Verfügung zu stellen. für z.B: Leihläden, Tauschläden etc.

So haben wir z.B. mit der selbst reparierten Technik vor, diese für wenig Geld weiter zu verkaufen, oder zu verschenken. Dezentrale teilweise ehrenamtlich geführte „Minigeschäfte“ könnten ins Leben gerufen werden. Doch dazu braucht es die entsprechende Infrastruktur.

Besonders wichtig finden wir die Möglichkeit, dass an so einem Ort verschiedene Generationen aufeinandertreffen und es auch zum Austausch zwischen den Generationen und Bevölkerungsschichten kommen kann. Dadurch, dass so aktive Menschen an einem Ort zusammenkommen, kommt es auch zu viel Austausch und zu einer hohen Selbstorganisation. Ideal wäre es, wenn es auch größere Versammlungsräume gebe die zur Selbstorganisation der Anwohner beitragen.

Das alles führt zu einer höheren Bereitschaft Verantwortung für den eigenen Stadtteil zu übernehmen und diesen gestalten zu wollen. Damit Ideen für Stadtteilprojekte auch umgesetzt werden können, sind die freien Projekträume in den Stadtteilzentren wichtig.

Wir möchten an dieser Stelle nochmal besonders betonen, dass wir diese beschriebenen Werkstätten und Orte wie z.B. Lagerräume für essentiell halten, wenn wir unsere Lebensweise (unabhängig von Politik und großen Konzernen) ressourcenschonender und nachhaltiger gestalten wollen.

Es braucht einfach die entsprechenden Infrastrukturen die uns diese ressourcenschonende Selbstorganisation ermöglichen. Erst dann ist auch ein kultureller Wandel und die Entfaltung der entsprechenden Stadtkultur möglich.

Wir wissen, dass viele der beschriebenen Dinge bereits in Nischen existieren, aber genau darum geht es – Es aus der Nische herauszuholen und zu einem zentralen Element der Stadtkultur zu machen.

Festkultur in Dresden

Ziel:  Neue Veranstaltungsformate entwickeln und fördern

Wir haben uns gefragt: „Warum gibt es eigentlich kaum noch Erntefeste?“. Also Damit meinen wir richtige Erntefeste. Bei der die regionale Wertschöpfung gefeiert wird. Bei denen man auch vielleicht mit den Bauern in den Austausch kommt und Ihnen für die Arbeit dankt. Wir fänden es sehr spannend den Versuch zu unternehmen diese Feste wieder mit Leben und Liebe zu füllen und so zu einer Stärkung des Heimatgefühls sowie zu einer Freude an regionalen Lebensmitteln zu führen.

Weitere Anmerkungen:

Dieses Dokument enthält Anregungen von verschiedenen Aktivisten von Fridays For Future Dresden. Wir sind der Überzeugung, dass sich die Stadt-Kultur, im Sinne von unserer alltäglichen Lebensweise, in den nächsten Jahren sehr ändern wird, und sich auch ändern muss. Vielen gelesenen Sätzen aus diesem Papier können wir mit Freude zustimmen. Viele Ansätze hier gehen in die richtige Richtung, haben unserer Meinung nach aber noch viel mehr Potential!

Wir haben konkrete Ideen und Ansätze wie man sowohl Kultur als auch Nachhaltigkeit verbinden kann und würden dies gerne ausführlicher erläutern, als es in diesem Papier möglich ist. Wir würden uns daher über weiteren Austausch freuen.

Autor: Coma Emerald (Kevin Bauch)